 | Klekih-petra »Nimm seinen Kopf in deinen Schoß,« bat ich Winnetou. »Wenn er das Auge öffnet und dich erblickt, wird sein Tod ein froher sein.«
Er kam dieser Aufforderung nach, ohne ein Wort zu sagen; keine seiner Wimpern zuckte; aber sein Blick hing unverwandt an dem Angesichte des Sterbenden. Da öffnete dieser langsam die Lider; er sah Winnetou über sich gebeugt; ein seliges Lächeln glitt über seine so schnell eingefallenen Züge, und er flüsterte:
»Winnetou, schi ya Winnetou – Winnetou, o mein Sohn Winnetou!«
Dann schien es, als ob sein brechendes Auge noch jemanden suche. Es traf mich, und in deutscher Sprache bat er mich:
»Bleiben Sie bei ihm – ihm treu – – – mein Werk fortführen – – –!«
»Ich tue es; ja, sicher, ich werde es tun!«
Da nahm sein Gesicht einen fast überirdischen Ausdruck an, und er betete mit immer mehr ersterbender Stimme:
»Da fällt mein Blatt – – abgeknickt – – nicht leise – leicht – – es ist – – – die letzte Sühne – – – ich sterbe wie – – – wie ich es – – gewünscht. Herrgott, vergieb – – vergieb! – – Gnade – – Gnade – –! Ich komme – – komme – – – Gnade.«
Er faltete die Hände – – noch ein krampfhafter Bluterguß aus der Wunde, und sein Kopf sank zurück – er war tot!
Nun wußte ich, was ihn getrieben hatte, gegen mich sein Herz zu erleichtern – – Gottesfügung, hatte er gesagt. Er hatte gewünscht, für Winnetou sterben zu können; wie schnell war dieser Wunsch in Erfüllung gegangen! Die letzte Sühne, die er bringen wollte, er hatte sie gebracht. Gott ist die Liebe, die Barmherzigkeit; er zürnt dem Reuigen nicht ewig.
Winnetou bettete das Haupt des Toten in das Gras, stand langsam auf und sah seinen Vater fragend an.
»Dort liegt der Mörder; ich habe ihn niedergeschlagen,« sagte ich. »Er mag Euer sein.«
»Feuerwasser!« |
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