wir nicht unbemerkt bleiben, und dies ist doch erforderlich, wenn wir das, was wir beabsichtigen, erreichen wollen.«
»Kennt mein Bruder Winnetou das Dorf des Häuptlings Tangua?«
»Ja.«
»Und weißt du ganz genau, wo es liegt?«
»So genau, wie ich die Lage meines eigenen Pueblo kenne. Es liegt am Salt Fork des Red River-Nordarmes.«
»Also südöstlich von hier?«
»Ja.«
»So werden wir aus Nordwesten erwartet und sollten es ermöglichen, von der entgegengesetzten Richtung, also aus Südosten, zu kommen.«
»Das ist es, was auch ich will. Mein Bruder Shatterhand hat stets dieselben Gedanken wie ich. Es ist ganz so, wie Intschu tschuna, mein Vater, sagte, als wir das Blut der Brüderschaft miteinander getrunken hatten: "Die Seele lebt im Blute. Die Seelen dieser beiden jungen Krieger mögen ineinander übergehen, daß sie eine einzige Seele bilden. Was Old Shatterhand dann denkt, das sei auch Winnetous Gedanke, und was Winnetou will, das sei auch der Wille Old Shatterhands!" So hat er gesprochen, und so ist es geschehen. Sein Auge blickte in unsere Herzen und es sah unsere Zukunft offen. Es wird ihn auch in den ewigen Jagdgründen freuen und seine Seligkeit erhöhen, daß seine Vorhersagung so eingetroffen ist. Howgh!«
Er schwieg bewegt, und alle, die wir uns bei ihm befanden, achteten dieses Schweigen. Es war ein stummer und doch so beredter Ausdruck der Pietät, die der Sohn seinem toten Vater widmete. Erst nach einigen Minuten räusperte er sich wie verlegen über die Rührung, der er sich hingegeben hatte, und fuhr fort:
»Ja, wir werden das Dorf Tanguas aufsuchen, doch nicht auf dem geraden und kürzesten Wege, den die Kiowas einschlagen, sondern sein Gebiet umreiten, damit wir von der anderen Seite kommen. Diese ist unbewacht, und da kann uns das, was wir beabsichtigen, leichter gelingen. Es fragt sich nur, wann wir von hier aufbrechen sollen. Wie denkt Old Shatterhand hierüber?« |