den [blitzenden] Augen und glühenden Wangen, das lebende Bild einer Rachegöttin, die kein Erbarmen kennt. Fast wollte sie mir da noch schöner als vorher vorkommen. Durfte ich sie verurteilen? Hatte sie unrecht?
»So geh,« sagte ich; »aber ich gehe mit.«
»Bleib lieber hier!« bat sie, wieder in einem ganz andern Tone sprechend. »Intschu tschuna und Winnetou sehen es nicht gern, wenn du mitkommst.«
»Werden sie mir zürnen?«
»Nein. Sie wünschen es nicht, werden es dir aber nicht verbieten; du bist unser Bruder.«
»So gehe ich mit, und sie werden es verzeihen.«
Als ich mit ihr hinaus auf die Plattform trat, stand Sam Hawkens da. Er rauchte aus seiner alten, kurzen Savannenpfeife, denn er hatte auch Tabak erhalten.
»Ist jetzt eine andere Sache, Sir,« sagte er schmunzelnd. »Bis vorhin Gefangene gewesen und jetzt die großen Herren spielen; das ist ein Unterschied. Wie geht es Euch unter den neuen Verhältnissen?«
»Danke, gut,« antwortete ich.
»Mir auch ausgezeichnet. Der Häuptling hat uns selbst bedient. Das ist doch fein, wenn ich mich nicht irre!«
»Wo ist Intschu tschuna jetzt?«
»Fort, wieder nach dem Flusse.«
»Wißt Ihr, was jetzt dort geschieht?«
»Kann es mir denken.«
»Nun, was?«
»Zärtlicher Abschied von den lieben Kiowas.«
»Das weniger.«
»Was denn sonst?«
»Rattler wird gemartert.«
»Rattler wird gemartert? Und da führt man uns hierher? Da muß ich auch dabei sein! Kommt, Sir! Wir wollen schnell hinab!«
»Langsam! Könnt Ihr denn solche Szenen ersehen, ohne daß Euch der Schauder forttreibt?«
»Ersehen? Schauder? Was Ihr doch für ein Greenhorn seid, geliebter Sir! Wenn Ihr Euch erst länger hier im Westen |