»Allerdings auch.«
»So sind sie auch nicht anders und besser als wir. Sie lehren die Liebe und fühlen sie nicht. Warum hat mein Bruder sein Vaterland verlassen?«
Es ist bei den Roten nicht Sitte, solche Fragen auszusprechen. Winnetou konnte es aber tun, weil er jetzt mein Bruder war, der mich kennen lernen mußte. Doch wurde seine Frage nicht nur aus teilnehmender Neugierde ausgesprochen; er hatte noch einen andern Grund dabei.
»Um hier hüben das Glück zu suchen,« antwortete ich.
»Das Glück! – Was ist das Glück?«
»Reichtum!«
Er ließ, als ich dies sagte, meine Hand los, die er bis jetzt fest gehalten hatte, und es trat wieder eine Pause ein. Ich wußte, er hatte jetzt das Gefühl, sich doch in mir getäuscht zu haben.
»Reichtum!« flüsterte er dann.
»Ja, Reichtum,« wiederholte ich.
»Also darum – darum – darum!«
»Was?«
»Darum haben wir dich bei – bei – – –«
Es tat ihm doch wehe, das Wort aussprechen zu sollen. Ich vollendete es:
»Bei den Länderdieben gesehen?«
»Du sagst es. Du tatest es also, um reich zu werden. Meinst du denn wirklich, daß Reichtum glücklich macht?«
»Ja.«
»Da irrst du dich. Das Gold hat die roten Männer nur unglücklich gemacht; des Goldes wegen drängen uns noch heut die Weißen von Land zu Land, von Ort zu Ort, so daß wir langsam aber sicher untergehen werden. Das Gold ist die Ursache unsers Todes. Mein Bruder mag ja nicht danach trachten.«
»Das tu ich auch nicht.«
»Nicht? Und doch sagtest du, daß du das Glück im Reichtum suchest.«
»Ja, das ist wahr. Aber es gibt Reichtum verschiedener Art, Reichtum an Gold, an Weisheit und Erfahrung, an Ge- |