auf der Seite, von welcher ich vorhin gekommen war, und von welcher ich von Nscho-tschi erwartet wurde, zwei oder drei Schritte auf die Lichtung hinaus und rief über dieselbe hinüber:
»Mein Bruder Winnetou mag herüberkommen!«
Es regte sich nichts drüben; darum fuhr ich fort:
»Mein Bruder mag kommen, denn ich sehe ihn!«
Er kam trotzdem nicht.
»Er sitzt drüben im Gebüsch der wilden Pflaumen. Soll ich ihn vielleicht holen?«
Da bewegten sich die Zweige, und Winnetou trat hervor, doch allein. Er hatte nicht länger stecken bleiben können, wollte aber das Versteck seiner Schwester noch geheim halten und fragte mich:
»Hat mein Bruder Old Shatterhand Nscho-tschi gefunden?«
»Ja.«
»Wo?«
»Da, wo sie verborgen ist, im Gebüsch.«
»In welchem Gebüsch?«
»In demjenigen, wohin mich ihre Fährte führt.«
»Hast du denn ihre Fährte gesehen?«
Das klang sehr verwundert. Er wußte nicht, woran er mit mir war. Daß ich die Unwahrheit sagte, das glaubte er nicht; aber von einer Fährte wußte er nichts, und da er nicht einen Augenblick von seiner Schwester weggekommen war, so hegte er die Ueberzeugung, daß ich sie nicht entdeckt hatte. Seiner Meinung nach mußte ich mich im Irrtume befinden, durch irgend etwas getäuscht worden sein.
»Ja,« antwortete ich; »ich habe sie gesehen.«
»Aber meine Schwester hat sich doch so in acht genommen, daß keine Spur zu sehen ist!«
»Du irrst. Sie ist zu sehen.«
»Nein.«
»An der Erde nicht, aber im Gezweig. Nscho-tschi hat mit ihren Füßen den Boden nicht berührt, aber indem du sie trugest, habt ihr Zweige geknickt und Blätter beschädigt.«
»Uff! Ich hätte sie getragen?«
»Ja.«
»Wer sagte es dir?« |