er ist ein Geschenk von Winnetou, den du vom Tode errettet hast, und nicht von seiner Schwester. Ist es den Bleichgesichtern verboten, von einer Squaw Geschenke anzunehmen?«
»Wenn es nicht seine eigene Squaw oder Verwandte ist, ja.«
»Du bist mein Bruder; Nscho-tschi ist dir also verwandt. Dennoch ist dies Geschenk von mir und nicht von ihr; sie hat es nur für dich gefertigt.«
Als ich den Anzug am nächsten Morgen anprobierte, saß er wie angegossen. Ein New Yorker Herrenschneider hätte das Maß nicht besser treffen können. Ich zeigte mich natürlich meiner schönen Freundin, welche außerordentlich über das Lob, welches ich aussprach, erfreut war. Kurze Zeit später stellten sich Dick Stone und Will Parker bei mir ein, um sich von mir bewundern zu lassen; sie waren auch mit neuen Anzügen beschenkt worden, welche aber nicht von Nscho-tschi, sondern von andern Squaws gefertigt worden waren. Und abermals kurze Zeit später befand ich mich im Haupttale, um mich im Werfen des Tomahawk zu üben, da kam eine kleine, sonderbare Gestalt in sehr gravitätischer Haltung auf mich zu. Es war ein neuer, lederner, indianischer Anzug, welcher unten in einem Paar alter, ungeheuer großer Indianerstiefel endete. Oben drüber gab es einen noch älteren Filzhut mit sehr wehmütig herabhängender Krämpe, unter welcher ein sehr verworrener Bartwald, eine riesige Nase und zwei kleine, listige Aeuglein hervorblickten. Daran erkannte ich meinen kleinen Sam Hawkens. Er pflanzte sich, die dünnen, krummen Beinchen weit auseinander spreizend, höchst anspruchsvoll vor mir auf und fragte:
»Sir, kennt Ihr vielleicht den Mann, der jetzt vor Euch steht?«
»Hm!« antwortete ich. »Will einmal sehen!«
Ich nahm ihn bei seinen Armen, drehte ihn dreimal um sich selbst, betrachtete ihn dabei von allen Seiten und sagte dann:
»Das scheint wahrhaftig Sam Hawkens zu sein, wenn ich mich nicht irre!«
»Yes, mylord! Ihr irrt Euch nicht. Ich bin es, in eigener Person und Lebensgröße. Merkt Ihr etwas?«
»Funkelnagelneuer Anzug!«
»Will es meinen!« |