Er rannte wütend davon.
»Sam!« rief ich ihm nach, »noch eine Frage!«
»Was denn?« erkundigte er sich, indem er stehen blieb.
»Wo ist er denn?«
»Wer?«
»Der neue Anzug?«
»Habe ihn ihr zurückgeschickt. Mag nichts davon wissen. Wollte Hochzeit darinnen machen, ihn bei der Trauung tragen; nun aber nichts aus der Hochzeit wird, mag ich auch den Rock nicht haben. Howgh!«
So endete die Freundschaft meines Sam mit Kliuna-ai, dem immer mehr abnehmenden roten Monde. Uebrigens war er sehr bald wieder guter Dinge und gestand mir, daß er sich freue, ein unverheirateter Jüngling geblieben zu sein. Er werde seinem alten Rocke nie wieder den Abschied geben, denn dieser sei besser, praktischer und bequemer als sämtliche Jagdröcke von allen indianischen Schneiderinnen. Es war also ganz so gekommen, wie ich mir gedacht hatte. Sam als Ehemann war einfach undenkbar.
Am Abende desselben Tages aß ich, wie gewöhnlich, mit Intschu tschuna und Winnetou zusammen. Der Letztere entfernte sich nach dem Essen, und ich wollte auch gehen, da fing der Häuptling mit mir von Sams Abenteuer mit Kliuna-ai an und brachte hierauf die Rede auf Verbindungen zwischen Weißen und Indianerinnen. Ich merkte, daß er mich examinieren wollte.
»Hält mein junger Bruder Old Shatterhand eine solche Ehe für unrecht oder recht?« fragte er.
»Wenn sie von einem Priester geschlossen und die Indianerin vorher Christin geworden ist, sehe ich nichts Unrechtes darin,« antwortete ich.
»Also mein Bruder würde nie ein rotes Mädchen so, wie sie ist, zur Squaw nehmen?«
»Nein.«
»Und ist es sehr schwer, Christin zu werden?«
»Nein, gar nicht.«
»Darf eine solche Squaw dann ihren Vater noch ehren, auch wenn er nicht Christ ist?« |