»Aber ihre Häuptlinge wollen es doch so!«
»Allerdings. Das setzt aber nicht voraus oder vielmehr hat nicht zur Folge, daß sie auch damit einverstanden sind. Sie sind im Stillen dagegen. Und wenn ich sie beobachte, wie sie beisammen sitzen und leise miteinander sprechen, so sehe ich es ihren Mienen an, daß sie von mir reden, und zwar nichts, worüber ich mich freuen würde, wenn ich es hörte.«
»Kommt mir auch so vor. Kann uns aber sehr gleichgültig sein. Was sie denken und reden, kann uns nichts schaden. Wir haben es mit Intschu tschuna, Winnetou und Nscho-tschi zu tun, und über diese Drei können wir doch wohl nicht klagen.«
Da hatte er recht. Winnetou und sein Vater waren mir in Allem behilflich und von einer wahrhaft brüderlichen Zuvorkommenheit, und die Indianerin sah mir gar jeden Wunsch an den Augen ab. Es war, als ob sie jeden meiner Gedanken erraten könne. Sie tat immer nur, was ich wollte, ohne daß ich es auszusprechen brauchte, und das erstreckte sich auf Dinge und Kleinigkeiten, die kein Mensch sonst zu beachten pflegt. Ich wurde ihr mit jedem Tage mehr zur Dankbarkeit verpflichtet. Sie war eine scharfe Beobachterin und aufmerksame Zuhörerin, und ich bemerkte zu meiner Freude und Genugtuung, daß ich, absichtlich oder unabsichtlich, ihr Lehrer war, von dem sie mit Begierde lernte. Wenn ich sprach, hing ihr Auge an meinen Lippen, und was ich tat, tat sie dann später genau ebenso, selbst wenn es den Gewohnheiten ihrer Rasse widersprach. Sie schien nur für mich da zu sein und war für meine Bequemlichkeit und mein Wohlbefinden viel besorgter als ich selbst, der ich gar nicht daran dachte, es besser haben zu wollen als die Andern.
Also am Ende des vierten Tages war ich fertig und verpackte die Meßinstrumente in die dazu mitgebrachten Decken. Wir machten uns reisefertig und brachen am Morgen des fünften Tages auf. Die beiden Häuptlinge hatten sich für ganz dieselbe Route entschlossen, auf welcher ich von Sam in diese Gegend gebracht worden war.
Als wir derselben zwei Tage lang gefolgt waren, hatten wir eine Begegnung. Wir befanden uns in einer flachen, grasigen und hier und da durch Buschwerk unterbrochenen Gegend, die uns einen guten Ausblick gewährte, was im Westen immer |