entdeckt uns und schleicht sich heran, um zu erfahren, wer wir sind. Vielleicht tritt er dann hervor, um uns zu grüßen.«
»Hm, das ist freilich wahr,« gestand der Kleine ein.
»Der Schuß war für uns gefährlich,« fuhr Winnetou fort. »Entweder hat Sam sich geirrt und keine Augen gesehen; da war der Knall überflüssig und kann nur Feinde herbeilocken, die sich vielleicht in der Nähe befinden. Oder es ist wirklich ein Mensch dagewesen, dessen Augen Sam bemerkt hat; auch da war es falsch, auf ihn zu schießen, weil vorauszusehen war, daß die Kugel nicht treffen würde.«
»Oho! Sam Hawkens ist seiner Kugel sicher! Möchte den sehen, der mir einen Fehlschuß nachweist!«
»Ich kann auch schießen, würde aber wahrscheinlich doch nicht treffen. Der Späher sieht doch, daß ich auf ihn ziele; er erkennt daraus, daß er bemerkt worden ist, und wird eine schnelle Bewegung machen, um von der Mündung meines Gewehrs wegzukommen. Die Kugel geht dann fehl, und der Mann verschwindet in der Nacht.«
»Ja, ja; aber was hätte mein roter Bruder denn an meiner Stelle getan?«
»Entweder den Knieschuß angewendet oder mich still von hier entfernt, um dem Späher auf einem Umwege in den Rücken zu kommen.«
Der Knieschuß ist der schwierigste Schuß, den es gibt. Viele, viele Westmänner, die sonst gute Schützen sind, bringen ihn nicht fertig. Ich hatte nichts davon gewußt, mich aber dann, von Winnetou auf ihn aufmerksam gemacht, in der letzten Zeit darin geübt.
Ich setze den Fall, daß ich mich, allein oder mit Anderen, das ist gleich, am Lagerfeuer befinde; mein Gewehr liegt mir, wie es Regel ist, griffbereit zur rechten Hand. Da bemerke ich zwei Augen, welche aus einem Verstecke mich beobachten. Das Gesicht des Spähers kann ich nicht sehen, denn es befindet sich im Dunkeln; aber die Augen sind zu sehen, wenn er nicht so vorsichtig ist, durch die gesenkten Wimpern zu blicken. Sie haben einen matten, phosphoreszierenden Glanz, welcher um so bemerkbarer wird, je mehr der Mann das Auge anstrengt. Man glaube aber ja nicht, daß es leicht ist, des Nachts unter |