der [wieder] auf und entfernte sich, um die Forschung selbst noch einmal vorzunehmen und fortzusetzen. Es verging über eine Stunde, bis er wiederkam.
»Es ist kein Mensch da,« sagte er; »Sam Hawkens wird sich also wohl geirrt haben.«
Trotzdem stellte er statt der bisherigen zwei nun vier Wachen aus und wies sie an, möglichst aufmerksam zu sein und den Umkreis des Lagers öfters abzupatrouillieren. Dann legten wir uns schlafen.
Mein Schlaf war kein ruhiger; ich wachte öfters auf und hatte in den Zwischenzeiten kurze, aber unangenehme Träume, in denen Santer mit seinen drei Gefährten die Hauptrolle spielte. Das war gewiß die einfache, leicht erklärliche Folge unserer Begegnung mit ihm, gab aber, als wir mit dem Morgen aufstanden, seiner Person eine Bedeutung, die ich mir vergeblich auszureden suchte. Man macht ja die Erfahrung, daß die Person, von welcher ein Mensch träumt, dann eine größere Wichtigkeit für ihn besitzt als vorher.
Nach dem Frühstücke, welches aus Fleisch und einer Einrührung von Mehl in Wasser bestand, machte sich Intschu tschuna mit seinem Sohne und seiner Tochter auf den Weg. Ehe sie gingen, bat ich um die Erlaubnis, sie wenigstens eine Strecke weit begleiten zu können. Damit sie überzeugt sein sollten, daß ich dies nicht in der Absicht tue, den Weg nach dem Goldorte zu finden, sagte ich ihnen, daß ich den Gedanken an Santer nicht los werden könne. Ich wunderte mich über mich selber, denn ich hegte, ohne irgend einen stichhaltigen Grund zu haben, heute früh die Ueberzeugung, daß er mit seinen Leuten doch zurückgekehrt sei. Das war wohl die Folge meiner Träume.
»Mein Bruder braucht sich nicht um uns zu sorgen,« antwortete Winnetou. »Um ihn zu beruhigen, werde ich noch einmal nach Spuren suchen. Wir wissen, daß er nicht nach Gold strebt; aber wenn er auch nur eine kurze Strecke mit uns ginge, würde er den Ort ahnen und ganz sicher dann das Fieber bekommen, welches nach dem tödlichen Staube strebt und das Bleichgesicht nicht eher verläßt, bis es an Leib und Seele zu Grunde gegangen ist. Wir bitten dich also nicht aus Mißtrauen, sondern aus Liebe und Vorsicht, nicht mit uns zu gehen.« |