Dann glitt ihr Auge von ihm zu mir herüber, und ein frohes, aber schnell ersterbendes Lächeln spielte um ihre erblichenen Lippen. »Old – Shatter – – hand!« hauchte sie. »Du – bist – da! Nun – – sterbe ich – – so – – –« Mehr hörten wir nicht, denn der Tod ließ sie nicht aussprechen, sondern schloß ihr für immer den Mund. Es war, als wolle mir das Herz zersprengen; ich mußte mir Luft machen, sprang auf, denn wir hatten uns bei ihr niedergekniet, und stieß einen lauten, lauten Schrei aus, dessen Echo von den Wänden der benachbarten Berge widerhallte. Winnetou stand auch auf, langsam, als ob er von zentnerschweren Gewichten niedergehalten werde. Er schlang beide Arme und mich und sagte: »Nun sind sie tot! Der größte, edelste Häuptling der Apachen und Nscho-tschi, meine Schwester, welche dir ihre Seele gegeben hatte. Sie starb mit deinem Namen auf den Lippen. Vergiß dies nicht, vergiß es nicht, mein lieber Bruder!« »Nie, nie werde ich es vergessen!« rief ich aus. Dann nahm sein Gesicht einen ganz andern Ausdruck an, und seine Stimme klang wie fernes, drohendes Donnerrollen, als er fragte: »Hast du gehört, was ihre letzte Bitte an mich war?« »Ja.« »Rache! Ich soll sie rächen, und, ja, ich werde sie rächen, wie noch nie ein Mord gerächt worden ist. Weißt du, wer die Mörder waren? Du hast sie gesehen. Bleichgesichter waren es, denen wir nichts getan hatten. So ist es stets gewesen, und so wird es immer, immer sein, bis der letzte rote Mann ermordet worden ist. Denn wenn er auch eines natürlichen Todes sterben sollte, ein Mord ist es doch, ein Mord, welcher an meinem Volke geschieht. Wir wollten nach den Städten dieser verruchten Bleichgesichter; Nscho-tschi wollte werden wie eine weiße Squaw, denn sie liebte dich und glaubte, dein Herz zu gewinnen, wenn sie sich das Wissen und die Sitten der Weißen aneignete. Das hat sie mit dem Leben bezahlt. Mögen wir euch hassen, oder mögen wir euch lieben, es ist ganz gleich: Wo ein Bleichgesicht seinen Fuß hinsetzt, da folgt hinter ihm das |