ist anzunehmen, daß sie gestern kurz vor Abend hier gewesen sind; es wird sich also bald zeigen, ob sie gelagert haben oder während der Nacht geritten sind.«
»Ich möchte das letztere behaupten, weil sie ja doppelten Grund zur Eile haben.«
»Ganz richtig; also laßt uns sehen.«
Wir waren abgestiegen und gingen, unsere Pferde hinter uns führend, auf der Fährte langsam weiter. Sie sah jetzt ganz anders aus als vorher, sie war zwar auch wieder dreifach, doch nicht in der früheren Weise. Der mittlere, breite Strich stammte von den Pferdehufen, und die beiden Seitenstriche waren von der Schleife eingeritzt worden. Sie bestand also wohl aus zwei Hauptstangen und mehreren Querhölzern, die aneinander befestigt und auf welche dann die Leiche gebunden worden war.
»Sind von hier aus hintereinander geritten,« meinte Sam. »Das muß einen Grund haben, denn es ist zum Nebeneinanderreiten genug Platz da. Folgen wir ihnen nach!«
Wir stiegen wieder auf und ritten im Trabe weiter, dabei dachte ich darüber nach, aus welchem Grunde sie wohl von jetzt an hintereinander geritten sein könnten. Ich sann und sann und glaubte bald, das Richtige gefunden zu haben. Darum sagte ich:
»Sam, strengt Eure Augen an! Es wird mit dieser Spur bald eine Aenderung eintreten, die wir nicht bemerken sollen.«
»Wieso? Eine Aenderung?« fragte er.
»Jawohl. Sie haben die Schleife angefertigt nicht nur um sich den Ritt zu erleichtern und die Leiche nicht mehr halten zu müssen, sondern auch um sich trennen zu können.«
»Was Ihr denkt? Sich trennen! Wird ihnen nicht im Traume einfallen, hihihihi!« lachte er.
»Im Traume nicht, aber im Wachen.«
»So sagt mir, wie Ihr auf diese Idee kommt! Da werden Eure Bücher Euch wohl gewaltig in die Irre geführt haben.«
»Das steht nicht darin, sondern ich habe es mir selbst gesagt, allerdings nur infolgedessen, daß ich diese Bücher sehr aufmerksam gelesen und mich in ihren Inhalt sehr lebhaft hineingedacht habe.«
|