 | Winnetou in Fesseln betrachtete mich mit mißtrauischen Augen vom Kopfe bis zu den Füßen herunter und fragte:
»Wie seid Ihr denn auf die Idee gekommen, daß die abgezweigte Spur da drüben aus dem Trockenbette kommen werde?«
»Ich habe einen Fußstapfen da unten im Sande gesehen und das übrige daraus geschlossen.«
»Das wäre! Zeigt mir doch einmal den Stapfen!«
Ich führte ihn hinunter, wo ich ihn sah. Da blickte er mich noch viel mißtrauischer an, als vorhin, und fragte:
»Sir, wollt Ihr mir einmal die Wahrheit sagen?«
»Ja. Glaubt Ihr vielleicht, daß ich Euch einmal belogen habe?«
»Hm, Ihr scheint ein wahrheitsliebender und ehrlicher Kerl zu sein; aber in diesem Falle traue ich Euch doch nicht. Ihr seid noch nie in der Prairie gewesen?«
»Nein.«
»Ueberhaupt im wilden Westen nicht?«
»Nein.«
»Auch nicht in den Vereinigten Staaten?«
»Nie.«
»Oder gibt es ein anderes Land, wo es auch Prairien und Savannen gibt und so etwas wie hier der Westen, und dort seid Ihr gewesen?«
»Nein. Ich bin nie aus meiner Heimat weggekommen.«
»So hole Euch der Teufel, Ihr ganz und gar unbegreifliches Menschenkind!«
»Oho, Sam Hawkens! Ist das ein Segensspruch von einem Freunde, wie Ihr zu sein behauptet!«
»Na, nehmt mir's 'mal nicht übel, wenn mir bei solchen Dingen der Käfer über die Galle läuft! Kommt so ein Greenhorn nach dem Westen, hat noch kein Gras wachsen und keinen Erdfloh singen gehört und treibt schon gleich beim ersten Kundschafterritte dem alten Sam Hawkens die Schamröte ins Gesicht. Wenn man da kaltes Blut behalten soll, so müßte man im Sommer ein Eskimo und im Winter ein Grönländer sein, wenn ich mich nicht irre. Als ich so jung war, wie Ihr jetzt seid, da war ich zehnmal gescheiter als Ihr, und jetzt in |
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