 | Zweimal um das Leben gekämpft einen Stich ins Herz, sondern ein Hieb, ein Messerstich von unten herauf, um mir den Leib aufzuschlitzen!
Wir standen so weit auseinander, daß man sich nur wenig vorzubeugen brauchte, um den Gegner mit dem Messer zu erreichen. Er bohrte seinen Blick in mein Auge. Sein rechter Arm hing grad herab; er hielt das Messer so, daß das Heftende am kleinen Finger lag und die Klinge vorn zwischen dem Daumen und dem Zeigefinger hervorragte; diese Klinge war mit der Schärfe der Schneide nach oben gerichtet. Er wollte also wirklich, wie ich vermutet hatte, einen Streich von unten nach oben führen, denn wer von oben nach unten stößt, der hält das Messer grad umgedreht, nämlich so, daß das Heftende beim Daumen liegt und die Klinge am kleiner [kleinen] Finger aus der Faust hervorragt.
Also die Richtung seines Angriffes kannte ich; nun war die Hauptsache die Zeit desselben; die mußte mir das Auge sagen. Ich kannte das eigentümliche, blitzartige Zucken, welches in jedem solchen Falle einen Moment vorher im Auge zu bemerken ist. Ich senkte die Lider, um ihn sicher zu machen, beobachtete ihn aber um so schärfer durch die Wimpern.
»Stich zu, Hund!« forderte er mich auf.
»Sprich nicht abermals, sondern handle, roter Knabe!« antwortete ich.
Das war eine große Beleidigung, auf welche entweder eine zornige Antwort oder der Angriff erfolgen mußte; es war das letztere der Fall. Eine blitzartige Erweiterung seiner Pupille verkündigte es mir, und im nächsten Augenblicke stieß er den rechten Arm mit dem Messer kraftvoll vor und nach oben, um mir den Leib aufzuschlitzen. Hätte ich einen Messerstoß von oben herab erwartet, so wäre es um mich geschehen gewesen; so aber parierte ich seinen Schnitt, indem ich ihm meine Klinge gedankenschnell abwärts in den Vorderarm stieß und ihm denselben aufschlitzte.
»Hund, räudiger!« brüllte er, indem er den Arm zurückzog und vor Schreck und Schmerz das Messer fallen ließ.
»Nicht sprechen, sondern kämpfen!« antwortete ich abermals, meinen Arm emporwerfend, und dann – – – saß ihm meine Klinge bis an das Heft im Herzen. Ich zog sie augen- |
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