 | Zweimal um das Leben gekämpft fertig war, fragte sie mich mit einem leisen, aber sichtbar mitleidigen Lächeln:
»Bist du stets so hager gewesen wie jetzt?«
Hager? Ach, daran hatte ich noch gar nicht gedacht! Drei lange Fieberwochen und dabei den Wundstarrkrampf, welcher fast stets tödlich zu verlaufen pflegt! Dazu keinen Bissen gegessen und keinen Tropfen getrunken! Das konnte natürlich nicht ohne Wirkung geblieben sein. Ich befühlte meine Wangen und antwortete dann:
»Ich bin nie hager gewesen.«
»So sieh einmal dein Bild im Wasser hier!«
Ich schaute in den Kürbis und fuhr erschrocken zurück, denn es blickte mir aus dem Wasser der Kopf eines Gespenstes, eines Skeletts entgegen.
»Welch ein Wunder, daß ich noch lebe!« rief ich aus.
»Ja, Winnetou sagte das auch. Du hast sogar den langen Ritt hierher überstanden. Der große, gute Geist hat dir einen außerordentlich starken Körper gegeben, denn ein Anderer hätte es nicht fünf Tage unterwegs ausgehalten.«
»Fünf Tage? Wo befinden wir uns?«
»In unserm Pueblo *) am Rio Pecos.«
»Sind alle eure Krieger, die uns gefangen nahmen, hierher zurückgekehrt?«
»Ja, alle. Sie wohnen in der Nähe des Pueblo.«
»Und die gefangenen Kiowas sind auch da?«
»Auch. Eigentlich sollten sie getötet werden. Jeder andere Stamm würde sie zu Tode martern, aber der gute Klekih-petra ist unser Lehrer gewesen und hat uns über die Güte des großen Geistes belehrt. Wenn die Kiowas einen Preis der Sühne zahlen, dürfen sie heimkehren.«
»Und meine drei Gefährten? Weißt du, wo sie sich befinden?«
»Sie sind in einem ähnlichen Raume wie dieser hier, der aber finster ist, angebunden.«
»Wie geht es ihnen?«
»Sie leiden keine Not, denn wer am Marterpfahle sterben |
 |  |
 |