sein Freund und Bruder sein möchte. Ich war verwundet und am Arm gelähmt; ich habe ihn trotzdem besiegt; er lag betäubt vor mir, grad so wie Intschu tschuna auch; ich konnte Beide töten. Habe ich es getan?«
»Du hättest es noch getan,« antwortete Intschu tschuna; »aber ein Apachenkrieger kam und schlug dich mit dem Kolben nieder.«
»Nein; ich hätte es nicht getan. Sind nicht diese drei Bleichgesichter, welche hier mit mir angebunden sind, freiwillig zu euch gekommen, um sich euch auszuliefern? Hätten sie dies getan, wenn sie euch als Feinde betrachtet hätten?«
»Sie haben es getan, weil sie einsahen, daß sie nicht entkommen konnten. Da hielten sie es für klüger, sich freiwillig zu ergeben. Ich gebe zu, daß an deinen Worten etwas ist, was beinahe Glauben erwecken könnte; aber als du meinen Sohn Winnetou zum erstenmal betäubtest, warst du nicht dazu gezwungen.«
»O doch.«
»Durch wen?«
»Durch die Vorsicht. Wir wollten dich und ihn retten. Ihr seid sehr tapfere Krieger; ihr hättet euch ganz gewiß gewehrt und wäret dann verwundet oder gar getötet worden. Das wollten wir verhindern; darum schlug ich Winnetou nieder, und du wurdest von meinen drei weißen Freunden überwältigt. Ich hoffe, daß du meinen Worten nun Glauben schenkst.«
»Lüge sind sie, nichts als Lüge!« rief Tangua. »Ich kam eben dazu, als er dich niedergeschlagen hatte. Nicht ich, sondern er war es, der dir den Skalp nehmen wollte. Ich wollte ihn daran hindern, da traf mich seine Hand, in welcher der große, böse Geist zu wohnen scheint, denn ihr kann Niemand, selbst der stärkste Mann nicht, widerstehen.«
Da wendete ich mich ihm wieder zu und sagte in drohendem Tone:
»Ja, ihr kann Niemand widerstehen. Ich wende sie nur an, weil ich nicht das Blut eines Menschen vergießen will; aber wenn ich wieder mit dir kämpfe, werde ich es nicht mit der Hand, sondern mit der Waffe tun, und dann kommst du nicht mit einer bloßen Betäubung weg. Das merke dir!« |